Stiefel, Sättel, Halfter, Pferdegeschirre und Koffer reparieren lassen. Doch die Werkstatt, die seit drei Generationen von Familie Schnellenberg betrieben wird, ist zum Glück nicht endgültig geschlossen.
„Ich zieh mit meiner Werkstatt jetzt zu mir nach Hause“, verrät Josef Schnellenberg, den man schon seit seiner frühesten Kindheit „Bodo“ nennt, gut gelaunt. Fast alle Utensilien seien schon in seinem neuen Werkraum untergebracht. Probleme gab es nach seinen Worten dabei so gut wie keine, nur der Transport der Schleif- und Ausputzmaschine gestaltete sich wohl etwas schwierig. Denn das gute Stück bringt locker ein Gewicht von über 500 Kilogramm auf die Waage. „Mit Hilfe eines Treckers konnten wir das schwere Ding dann aber zu mir nach Hause schaffen“, freut sich Bodo. Überraschendes gab es beim Umzug auch zu entdecken: „Ich habe Lederreste gefunden die müssen über 70 Jahre alt sein.“
Schnellenberg, der 1963 seine Ausbildung zum Schuster machte sollte damals eigentlich die Schusterwerkstatt des Vaters übernehmen. Doch dann kam alles ganz anders. Bereits während seiner Gesellenjahre veränderte sich die Wirtschaftslage. Italienische Billigprodukte überschwemmten den Markt. Mehr und mehr Schusterwerkstätten mussten daraufhin schließen und so war er gezwungen sich nach einer anderen Einkommensquelle umzusehen. Er wurde Zugbegleiter, doch seine Liebe zu seinem gelernten Beruf verlor er nie.
Nun,
als Pensionär, verdient sich „Bodo“ mit reparaturbedürftigen
Schuhen etwas zur Rente dazu. Für ihn sei das Betreiben der
Werkstatt aber eigentlich mehr Hobby als Gelderwerb. Und der
Schuhmachermeister ist mit Leib und Seele dabei und wohl einer der
letzten seiner Art in Rheine. Ein Mensch der in vielerlei Hinsicht
einzigartig ist, so wie auch seine Werkstatt im Herzen von Elte.
Das
ist auch der Grund warum Bodo seine Werkstatt mit einem lachenden und
einem weinenden Auge verlässt. „Unsere
Drei-Generationen-Schuhmacher-Werkstatt war bis heute immer „der
Treffpunkt“ an dem ein nettes Pläuschen gehalten aber auch ein
wenig Politik betrieben wurde. „Nachdem in den 80er Jahren schon
unser kleiner Schuhladen zumachen musste, geht mit dem Umzug, leider
wieder ein Stück Geschichte im Zentrum des Dorfes verloren“, sagt
er etwas betreten.
Doch
schon bald wird Bodo wieder vor seiner Adler-Nähmaschine, an der
übrigens auch schon sein Vater und der Großvater gesessen haben,
auf einem kleinen Schemel sitzen und sich während der Arbeit mit
seiner Kundschaft unterhalten können. Denn die wird ihm garantiert
auch zur Bachstraße 69 a folgen. Zu reparieren gibt es schließlich
immer irgendetwas. Ob Schuhe, Sättel, Halfter, Pferdegeschirre oder
Koffer nichts ist dem Dorfschuster zu schwer. So näht er sogar
Reißverschlüsse ein und erneuert Klettverschlüsse an Jacken und
Stiefel. Selbst vor Trampolinbespannungen schreckt er nicht zurück.
„Auch wenn es einmal länger dauert, das ist mir egal, mir macht
das einfach Spaß“, freut sich Schnellenberg auf die kommenden
Aufgaben. Schon am 2. Mai wird Bodos Werkstatt wieder eröffnet.
Über
seine Öffnungszeiten montags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr und am muss Schnellenberg selber
grinsen. Denn schon früher kam es öfter mal vor dass eine namenlose
Tüte mit kaputten Schuhen an der Werkstatt lehnte oder einer der SG
Elte-Kicker am Sonntagmorgen Sturm klingelte, weil er vergessen
hatte, seine Fußballschuhe abzuholen. „Bei mir ist halt immer
irgendwie offen“, sagt Eltes Schusterunikat schmunzelnd.
Quelle: Münsterländische Volkszeitung
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